We cordially invite you and your friends to the opening of the exhibition.
Opening: Thursday, January 15th, 2026, 7 PM
Introduction: Dr. Theres Rohde, Direktor Museum für Konkrete Kunst, Ingolstadt
Dust and Pieces
Opening: Thursday, January 15th, 2026, 7 PM
Exhibition: January 16th – March 7th, 2026
We cordially invite you and your friends to the opening of the exhibition.
Opening: Thursday, January 15th, 2026, 7 PM
Introduction: Dr. Theres Rohde, Direktor Museum für Konkrete Kunst, Ingolstadt

Jan Schmidt’s artistic practice focuses on processes in which material, action, time, and chance are interwoven. His works emerge from clearly defined interventions–sawing, throwing, repeating–that leave traces behind. A work appears in Schmidt’s practice as a constellation of relationships: between raw material and intervention, between movement and resistance, between planning and the material’s response.
In Dust and Pieces, these considerations condense into a spatial constellation. At the center of the exhibition is a wall installation of saw drawings. Schmidt saws into a block of steel. The resulting filings fall onto a sheet of moistened handmade paper. After 48 hours in a climate chamber with high humidity, the filings bond with the paper. Each cut produces a drawing. The block moves successively from left to right across the sheets. Two hundred and forty-eight sheets bear the traces of this process as an inscription of time, force, and material behavior. In their serial arrangement, repetition and variation become legible, opening up a mode of perception in which even the smallest differences gain weight.
The exhibition unfolds across two rooms connected by the working process itself. In the rear room, the sawn pieces of marble, wood, bronze, and steel are laid out on a large table. They form the material point of departure for the work. In the front room, the dust from these pieces is presented in glass cylinders, arranged in a row on a console. This spatial juxtaposition of material and trace renders the structure of the work tangible: the material appears in its physical presence, the dust as the concentrated consequence of the same intervention. Both are equal components of a process that becomes comprehensible through observation. At the same time, they are relics of expansive installations, carrying their histories within them.
The new throw drawings also follow this line of thinking. A clearly defined movement sets a process in motion, the outcome of which emerges from the interplay of action, gravity, and material. The moment when small pieces of graphite strike the paper remains as a trace, extending the constellation of action and reaction.
Dust and Pieces invites viewers to direct their attention toward the emergence of form. Meaning arises from duration, from repetition, and from the traces that time and action leave within material.

Benjamin Franklin gab uns einst den Rat: »Schreib Kränkungen in den Staub, Wohltaten in Marmor.« Er wollte damit die Beständigkeit des Guten und die Flüchtigkeit des Schmerzes beschwören. Aber wenn ich vor den Arbeiten von Jan Schmidt stehe, hier in diesem Raum in Frankfurt, beginne ich zu zweifeln, ob Franklin recht hatte. Oder besser:
Ich erkenne, dass Staub und Marmor gar keine Gegensätze sind.
Mein Blick wandert über die Objekte. Da ist Stahl, da ist Holz, da ist Stein. Michelangelo
kommt mir in den Sinn, seine Non-finito-Skulpturen, in denen die Figur noch mit dem rohen Stein ringt. Bei Schmidt ist der Ringkampf selbst das Werk. Die Zeit nagt an uns, heißt es. Aber hier nagt der Künstler an der Zeit. Er zersägt sie, Schnitt für Schnitt. Wiederholungen erzeugen Stil. Aber das hier ist mehr als Stil, es ist eine Partitur.
Jeden Tag eine Stunde sägen. Jeden Tag dasselbe scharrende Geräusch von Metall auf Metall. Es ist eine Wiederholung, die jede Routine verweigert. Es ist das Beharren darauf, dass jeder einzelne Takt, jede Sägebewegung einzigartig ist. Es ist der Energieerhaltungs- satz in Kunst übersetzt: Die Kraft, die Zeit, die in das Werk fließen, verschwinden nicht, sie materialisieren und kommen zur Ruhe.
Besonders eindringlich zeigt sich dies in der großen Wandinstallation. Dort hängen vierzig von zweihundertachtundvierzig Blättern, die Schmidt als ein zusammenhängen- des Werk versteht. Was wir sehen, ist geronnene Zeit. Über Monate hinweg hat der Künst- ler jeden Tag eine Stunde in den selben Stab aus Stahl gesägt – immer genau einen Schlitz. Ein Akt von meditativer Disziplin: Das Sägen, während der Staub mit der Bewe- gung des Sägeblattes zu beiden Seiten des Stabs auf das darunter liegende Papier fällt. Schmidt verschiebt den schweren Stahlstab minimal, legt am nächsten Tag ein neues Blatt darunter und beginnt erneut zu sägen. Dieser tägliche Rhythmus hat sich in die Papiere eingeschrieben. Man sieht das Wandern des Stabs als »Schatten« auf den Blättern, eine Spur der Bewegung im Stillstand.
»Pulvis et umbra sumus« – wir sind Staub und Schatten. Was der römische Dichter Horaz schrieb, um unsere Vergänglichkeit zu fassen, wird bei Schmidt zur materiellen Realität. Doch er gibt dem Satz eine Wendung: Der Staub verweht hier nicht. In einer dafür eingerichteten feuchten Kammer reagierten die herabgefallenen Stahlspäne über zwei Tage mit dem Papier. Sie rosteten auf dem Untergrund fest. Es entstanden leichte Erhöhungen, oxidierte Narben, über der nur scheinbar verlorenen Zeit. Er zeigt uns das
Opfer des Materials – die abgetragene Substanz – direkt neben ihrer neuen Form.
Und diese Form ist keineswegs nur leise oder zart. Die Späne haben auf den Blättern Spuren hinterlassen, die eine fast körperliche Intimität besitzen. Die entstandenen Formen erinnern mich an den Ursprung der Welt, an die weibliche Scham. Und als Werkgruppe entfalten diese Blätter eine Wucht, die an die massiven Stahlskulpturen Richard Serras denken lässt. Doch wo Serra den Raum durch Tonnen von Gewicht verdrängt, erobert Schmidt ihn durch die schiere Masse an aufgewendetem Leben.
Ein Gedanke lässt mich bei Schmidts Installationen jedoch nicht los, ich empfinde eine Irritation. Jan Schmidt präsentiert die Stahl-, Marmor- und Holzstäbe im selben Raum wie die Papierarbeiten. Beide stehen für sich als Werk, beide beanspruchen Geltung. In der Geschichte der Verehrung, im Prinzip der Reliquie, gilt ein anderes Gesetz. Gesteigerte Energie erwächst aus Distanz. Man denke an Frédéric Chopin. Sein Körper ruht auf dem Père Lachaise in Paris, doch sein Herz, in Alkohol konserviert, ist in einer Säule des Kirchenschiffs der Heilig-Kreuz-Kirche in Warschau eingefasst. Die räumliche Distanz zwischen Körper und Herz kappt das Band nicht, sie spannt es über den Kontinent.
Hätte Schmidt die Stäbe zeitgleich an einem anderen Ort gezeigt, wären die Blätter reines Mysterium gewesen, sakrale Objekte einer zunächst unbekannten Handlung. Doch er entscheidet sich gegen die Aura der Distanz. Er zwingt uns, beides zu sehen: Die schwere, profane Arbeit am Stab und das poetische, in seiner Materialität sinnliche Resultat auf dem Papier. Er entzaubert das Werk nicht, er erdet es. Er sagt uns: Es gibt keine Transzendenz ohne den Schweiß des Augenblicks.
Nietzsche lässt seinen Zarathustra rufen: »Doch alle Lust will Ewigkeit, will tiefe, tiefe Ewigkeit!« Jan Schmidt nimmt diesen Ruf auf. Er schreibt ihn nicht in den Wind, sondern in die Materie ein. Er gibt der flüchtigen Zeit einen Körper. Das ist kein bloßes Handwerk. Das ist reine Poesie.